Reportage von Lukas Bammater

Reportage von Lukas Bammater
Reportage von Lukas Bammater

42, 45, 43, 48, 46, 39, 47, 44, 42, 38, 40, 45, 41, 47. Was wie eine wirre Zahlenabfolge aussieht, könnte der Fangtagebucheintrag eines x-beliebigen
Äschenfischers an der Großen Drau sein. Der Bestand der Thymianduftenden ist hier so gut wie in kaum einem anderen Revier in der Alpenregion. Die Durchschnittsgröße liegt bei gut 40 Zentimeter und Exemplare über 50 Zentimeter sind hier nicht selten. Die Große Drau ist ein ansehnlicher Fluss mit bis zu 40 Meter Breite und relativ hoher Fließgeschwindigkeit. Obwohl
die Ufer mit großen Findlingen zugepflastert und ihr Lauf begradigt wurde, hat sie ihren wilden Charakter nicht komplett verloren. Eingelagerte Felsblöcke und Steinbuhnen unterbrechen die Strömung häufig und bieten Salmoniden
optimale Lebensbedingungen. Während der warmen Jahresezeit
von Mai bis September führt die Große Drau meist viel angetrübtes Schmelzwasser aus den Bergen. Ihr schönstes Gesicht zeigt sie ab Oktober und November, wenn die Weiden, Eschen und Birken die Ufer farbig schmücken und
das Wasser klar und tief fließt. Dann treten lang gezogene Schotterbänke, große Felsbrocken sowie die typischen Züge und Gumpen zutage, in denen die zahlreichen Äschen auf Driftnahrung lauern.

Tief mit der Nymphe Die meisten Drauäschen werden mit einer
Montage mit zwei Nymphen gefangen. Ein großes Muster mit Tungstenkopf bringt eine kleinere, als Springer befestigte Nymphe, runter zum Flussgrund. Als Springernymphen eignen sich klassische Muster wie Fasanenschwanz oder Hasenohr
in den Hakengrößen 14 bis 18. Als Bissanzeiger dient ein großes Garnbüschel, dass etwa zwei Meter oberhalb der Nymphen ins Vorfach geknüpft wird. «Rieseln» nennen es die Einheimischen, wenn man mit dieser Montage die tiefen Läufe hinter Steinen systematisch abfischt. Die Rute wird dabei hoch gehalten,
um der Strömung wenig Angriffsfläche an der Fliegenschnur zu bieten und die Nymphe möglichst natürlich über den Grund driften zu lassen. Gelegentlich fängt man bei dieser Fischerei auch kräftige Regenbogenforellen, seltener eine
Bachforelle.

Mit etwas Glück erlebt man in den frühen Nachmittagsstunden einen Schlupf von Eintags- und Köcherfliegen. Dann kann es passieren, dass die Äschen auf Oberfächennahrung umstellen und mit der Trockenfliege zu fangen sind. In der Großen Drau schwimmen auch kapitale Huchen. Deren Lieblingsbeute
sind die Äschen – sicher auch ein Grund dafür, dass die Thymianduftenden hier so groß werden. Die besten Chancen, einen «Donaulachs» zu fangen, hat man von Ende November bis Ende Januar. Die 10 bis 20 Zentimeter langen Streamer sollten mit einer Fliegenrute der Klasse 8 oder 9 an einer Sinktip-Schnur angeboten werden.

Lukas Bammatter

erschienen im Sonderheft "Fischen in den Alpen"